Andreas Bekiers ist tot!

Andreas Bekiers ist tot! - Man muß sich dessen immer wieder vergewissern, glauben können die es nicht, die ihm freundschaftlich verbunden waren, die auf ihn gezählt haben - privat oder bei ihrer Arbeit. Erinnerungen werden bleiben, an seine Erscheinung, an seine Beredsamkeit. Er bildete häufig den Mittelpunkt einer kleinen Gruppe aus Fragenden, Stichwortgebern und Zuhörern. Die Basis dieser ungewöhnlichen „Öffentlichkeitsarbeit" war ein phänomenales Gedächtnis, gefördert durch eine gründliche und begierig aufgenommene humanistische Schulbildung. Beides verschaffte ihm einen Vorsprung, von beidem konnten wir profitieren. Im Elternhaus oder in der Schule muß er dazu angeregt worden sein, sich offenen Fragen intensiv und bis zur Klärung zuzuwenden. Während dieser Bearbeitungszeit gerieten manchmal die Erfordernisse des Alltags ins Hintertreffen. Er genoß sein Wissen und brillierte gern damit, war aber uneitel und nicht auf die äußerliche Wirkung fixiert. Das hat ihm wohl auch den Weg auf eine anspruchsvolle, seinem Wissen angemessene Karriere verstellt. Herzlich lachen und ausgiebig schimpfen konnte er über die, die nur kolportierten, die den schnellen Erfolg suchten und teilweise auch fanden, weil sie wußten, daß willige Präsenz gefragt ist und nicht ausdauerndes Bemühen um das richtige Resultat.

Zu seinem Beruf erwählte er sich zunächst den des Bauingenieurs. Ein Praktikum an der Otto-Bartning-Schule - damals noch auf der Zitadelle Spandau - bildete die Grundlage und führte ihn in die handwerklichen Tätigkeiten am Bau ein. Das folgende Ingenieur-Studium an der Technischen Universität Berlin konnte den historisch Interessierten und vielseitig musisch Begabten nicht befriedigen; so wechselte er zu dem dort gerade aus dem Dornröschenschlaf des Studium Generale erwachten Kunsthistorischen Institut, in dem er für viele Jahre zur festen und verläßlichen Institution wurde. Schließlich mußte das Studium abgeschlossen werden: Magisterarbeit und Dissertation (Bodo Ebhardt 1865-1945. Architekt-Burgenforscher-Restaurator. Leben und Frühwerk bis 1900) entstanden bei Prof. Dr. Detlef Heikamp. Diese Arbeiten entsprachen durch ihre zeitliche Begrenzung und die außerhalb des Inhalts liegende Zielorientierung nicht seinem Arbeitsstil. Beteiligungen an der Schinkel-Ausstellung (1981) im Martin-Gropius-Bau und ein Volontariat am Berlin Museum folgten, dann arbeitete er an der Ausstellung „750 Jahre Architektur und Städtebau in Berlin" (1987) mit und konnte einige Ergebnisse zum Wohnhaus und Atelier von Anton von Werner (1993) veröffentlichen. Seine wissenschaftliche Arbeit bestand weitgehend in der bauhistorischen Bearbeitung von Restaurierungsaufträgen. Diese Untersuchungen stärkten und erweiterten seine Kenntnisse der Berliner Architektur vornehmlich des 19. Jahrhunderts. Am 28. Januar 1995 hat er Mitglieder unseres Vereins durch „Das Haus des wilhelminischen ‚Leibmalers' Anton von Werner" und am 12. März 1995 durch das „Schloß Hohenschönhausen" geführt. Seine umfangreichen Materialien zur Berliner Architekturgeschichte sind leider nicht publiziert und es wäre zu wünschen, daß seine Unterlagen durchgesehen und an einem geeigneten Ort zur Verfügung der Wissenschaft gehalten werden könnten. Einige weitgehend abgeschlossene Arbeiten - wie etwa die Quellenstudien zur Baugeschichte des Pergamonmuseums - sollten wie geplant erscheinen. Das könnte den Verlust, den wir erlitten haben, zumindest im Bereich der gemeinsamen Arbeit überwinden helfen. - Ihn schnell um eine Auskunft bitten; das ist nun vorbei! - Persönlich werden wir den Verlust immer spüren, wenn wir uns versammeln oder an die gemeinsame Zeit zurückdenken. Selbst bei dem üblichen „Weißt du noch?" - er wußte es immer noch genauer, und er konnte es besser erzählen.

Karl-Robert Schütze in: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins 95, 1999, S. 556.

Andreas Bekiers wurde am 3. Juni 1947 in Berlin geboren. Nach dem Abitur wählte er den Beruf des Bauingenieurs. Ein Praktikum an der Otto-Bartning-Schule - damals noch auf der Zitadelle Spandau - führte ihn in die handwerklichen Tätigkeiten am Bau ein. Das anschließende Ingenieur-Studium an der TU Berlin konnte den historisch Interessierten und vielseitig musisch Begabten nicht befriedigen. So wechselte er zum Institut für Kunstwissenschaft, in dem er für viele Jahre zur festen und verläßlichen Institution wurde. Magisterarbeit und Dissertation entstanden 1976 und 1983 Prof. Dr. Detlef Heikamp. Es folgten die Beteiligung an der Schinkel-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau und ein Volontariat am Berlin Museum; weiter arbeitete er für das Ausstellungsprojekt „750 Jahre Architektur und Städtebau in Berlin" und publizierte zum Wohnhaus und Atelier des Malers Anton von Werner. Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit blieb die bauhistorische Bearbeitung von Restaurierungsaufträgen. Diese umfangreichen Untersuchungen erweiterten seine Kenntnisse der Berliner Architektur vornehmlich des 19. und 20. Jahrhunderts. Viele seiner Gutachten zu Berliner und Potsdamer Bauten sind leider nicht öffentlich zugänglich. Andreas Bekiers ist am 28. Mai 1999 in Berlin verstorben.

In Händen seiner Freunde Katrin Achilles-Syndram, Bernd-Heiner Berge und Karl-Robert Schütze liegt nun sein wissenschaftlicher Nachlaß. Einige fast abgeschlossene Arbeiten - so die Quellenstudien zur Baugeschichte des Pergamonmuseums und die Dokumentation zum Wohnhaus des Bildhauers Georg Kolbe - sollen, wie von ihm gewünscht, zum Druck gelangen.

Klappentext zur Restauflage von 1999 seiner Dissertation über Bodo Ebhardt aus dem Jahr 1984.

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